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IFF Academy for Feldenkrais Practitioners

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Marianne Lacina (Deutsch)

Marianne Lacina
 Photo Frank Höfer ©
„Hey, was ist das denn?!"

Marianne Lacina, Schweizerischer Feldenkrais-Verband (SFV)

Mein persönlicher Hintergrund ist, dass ich einerseits studiert habe und andererseits getanzt. Das waren schon zwei sehr unterschiedliche Milieus, einerseits die Uni, wo ich Sprache, Literatur und anthropologische Psychologie studierte, und andererseits die Bühne und der Unterricht im Bereich von Bewegungstheater und Tanz. Lange war ich zwischen den beiden Welten hin- und hergerissen. Das war schon eine alte Geschichte. Als kleines Kind bin ich sehr schnell gewachsen und wollte immer Akrobatik, Leichtathletik oder Tanz machen, aber ich hatte viel Rückenschmerzen, und es hieß, nein das kannst Du nicht, Deine Gelenke machen da nicht mit ... Ich war es gewohnt, für mich selbst einen Weg zu finden. Jedenfalls hatte ich mit zwanzig Jahren schon viel Körperarbeit gemacht. Einmal bin ich dann zu einem Workshop mit einer älteren Amerikanerin in Zürich gegangen, 1984, das war unter anderem viel Feldenkrais, aber ich kannte die verschiedenen Methoden am Anfang noch gar nicht. Auf jeden Fall hat mich die Wirkung der ATMs besonders fasziniert, und ich dachte: Hey, was ist das denn?! Dann habe ich schließlich herumgesucht und Einiges an Feldenkrais in der Schweiz gemacht, bis es 1990 soweit war, dass ich die Ausbildung in Brig anfing. Heute arbeite ich als Feldenkrais-Practitioner in Zürich und unterrichte Flamenco und Feldenkrais in einer Tanzausbildung. Ja, und inzwischen bin ich auch Trainingsassistentin und arbeite vor allem in Trainings in der Schweiz.

Gleich zu Beginn, schon während der Ausbildung, bin ich in den Verband gegangen und habe die internationale Entwicklung, vor allem die Gründung der IFF, von Anfang an mitbekommen. Das Internationale ist vielleicht auch ein bisschen ein typisch schweizerischer Standpunkt. Ich war natürlich vorher schon nach außen orientiert, im Tanz, in der Bühnenkunst. In diesen Bereichen kann man nicht in der Schweiz bleiben, da muss man raus, wenn man wirklich viele gute Sachen sehen und hören will. Wenn man sich fachlich auseinandersetzen will, braucht es Vielfältigkeit und Qualität. Das war für mich in Feldenkrais genauso.

In den Vorstand des Schweizer Verbandes bin ich erst jetzt gegangen. Wir IFF-Delegierten hatten wenig Rückhalt im Vorstand; die Aufmerksamkeit der Vorstandsarbeit lag zwischenzeitlich sehr auf der innerschweizerischen Entwicklungen, und das war auch nötig. Eine große Herausforderung für uns in der Schweiz ist zur Zeit die Frage der beruflichen Anerkennung als FeldenkraislehrerIn. Zur Zeit bezahlen die Krankenkassen noch, und nicht schlecht, so dass ein Großteil der Schweizer Practitioner eigentlich das Gefühl hat, wenn das nicht wäre, dann könnten sie nicht arbeiten. Vor ein paar Jahren aber haben die Krankenkassen angefangen, Listen zu führen, wer ist anerkannt und wer nicht, und Bedingungen zu stellen. Das haben wir schon nicht so gerne gesehen ... Und irgendwann haben sich einige zusammen getan, bzw. es hat eine Firma angefangen, den Krankenkassen das Angebot zu machen: Wir schauen für Euch, welche Leute und Methoden gut oder anerkannt sind; die Krankenkassen sind darauf eingestiegen. Diese Firma ist ein Privatunternehmen, sie nennt sich Erfahrungsmedzinisches Register und hat inzwischen recht großen Einfluss. Sie setzt Kriterien, sagt, wie viele Stunden jemand arbeiten muss, was für eine Ausbildung man haben muss etc. – und jetzt fängt der Staat an, Berufe im Bereich Gesundheit, Sport und Kunst zu regulieren. Das wurde abgestimmt und es gibt neue Gesetze im Gesundheitswesen. Das hat einen riesigen Machtkampf ausgelöst: Wer bekommt welches Stück vom Kuchen?

Für uns Feldenkraisler ist die jetzige Situation, dass es u. U. die Möglichkeit einer beruflichen Anerkennung gäbe, da müsste man eine so genannte ‚höhere Fachprüfung’ machen. Diese Fachprüfung wäre für einen ganzen Bereich gültig, der heute unter dem Bereich Komplementärmedizin zusammengefasst ist. Die Entscheidungen sind noch nicht ganz gefallen, aber es wird vermutlich zwei Bereiche geben, den der ‚Alternativmedizin’, darunter fielen Heilpraktiker, Homöopathen usw., und die ‚Komplementärmedizin’ mit etwa zweihundert Methoden ... Es ist nicht einmal sicher, ob es diese beiden Bereiche sein werden, aber wenn es so wäre, dann würden wir uns unter die ‚Komplementärmedizin’ einreihen. Allerdings müssten wir uns mit allen anderen Methodenvertretern dieses Bereichs auf eine Fachprüfung einigen, die dann eventuell drei, vier verschiedenen Fachrichtungen hätte ... Das ist einerseits beängstigend – und andererseits vielleicht auch eine Chance, denn jetzt hat es geheißen, dass einige Schulen bzw. Methoden sich um den Begriff des Lernens herum einigen würden. Sehr interessant für uns war hier in Berlin, dass die italienische Gilde den Begriff des ‚organischen Lernens’ im offiziellen Zusammenhang durchgesetzt haben.

Natürlich haben wir auch große Angst vor Verschulung und Bürokratisierung ... Aber vielleicht sind das alles nur recht äußere, formale Dinge, in die wir uns einarbeiten können und dann den Inhalt selber bestimmen. Es geht um Selbstdefinition und Definition von außen. Um den Regulationsversuchen einerseits zuvor zu kommen, müssen wir uns selbst definiert, und gleichzeitig müssen wir dem Außen auch entgegenkommen, uns mit hineinflechten, so dass die dort kanalisierten Geld- und Anerkennungsströme auch in unsere Richtung geleitet werden. Wir haben jetzt beschlossen, dass es zu früh wäre, uns mit dem Argument zu verweigern, dass dies alles nicht zu Feldenkrais passt. Es könnte schon sein, dass wir dann ernste Schwierigkeiten hätten, überhaupt weiter zu arbeiten.

Die internationale Zusammenarbeit ist enorm wichtig. Zum Beispiel hören wir hier auf der Assembly, wie die Situation in den anderen Ländern ist. Denn es ist ja nicht nur in der Schweiz so, dass wir uns mit dem öffentlichen Interesse an uns – oder mit unserem Interesse an der Öffentlichkeit – auseinandersetzen müssen. Feldenkrais ist nicht nur eine Frage einer Einzelperson. Vielmehr steht an zu fragen: Kann Feldenkrais einen gesellschaftlichen Platz haben, und wenn ja, was für einen? Wie werden wir von außen definiert, und wie definieren wir uns selbst?

 

Copyright Marianne Lacina und Uta Ruge

Zuerst erschienen in Feldenkraisforum, Ausgabe