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IFF Academy for Feldenkrais Practitioners

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Naomi Doron (Deutsch)

Naomi
 Photo Frank Höfer © 
Nicht jeder ist brillant

Naomi Doron, Israeli Feldenkrais Qualified Practitioners Association, gegründet 1987

Es war in den Sechzigern in Israel. Ich war Sportlehrerin und neugierig auf alle möglichen Methoden. Zweimal in der Woche ging ich los und nahm Unterricht in verschiedenen Methoden, um sie auszuprobieren. Eine Freundin erzählte mir von Moshé Feldenkrais, der einen Workshop für Sportlehrer gab, ich ging mit und er hielt uns einen Vortrag. Später ging ich auch zu seinen Klassen in der Alexander-Yanai-Straße. Ich habe weiterhin andere Methoden ausprobiert, aber am Ende hat mich nur noch die Feldenkrais-Methode interessiert. Ich hatte das Gefühl, dass es die kreativste aller Methoden war.

Manchmal hat Moshé, als er schon die Kassetten hatte, in den Alexander-Yanai-Gruppen eine Kassette eingelegt und ist hinausgegangen. Einmal war da etwas, das ich nicht verstand, und ich hab mich umgeschaut und gesehen, dass keiner es verstand. Wir hörten auf zu arbeiten und fragten seine Sekretärin draußen: „Wo ist Moshé?" "Er ist rausgegangen, um Zigaretten zu kaufen." Also haben wir gewartet. Als er zurückkam, hab ich allen Mut zusammen genommen und gesagt: „Wir haben aufgehört zu arbeiten. Wir verstehen überhaupt nichts." Also hat er die Lektion vom Anfang an direkt unterrichtet und alles war klar. Wir waren meistens 80 Leute und lagen auf ziemlich harten Matten; es war ein großer Saal, wir lagen in vier Reihen, Kopf an Kopf. Und manchmal sagte er, „Ihr könnt ein bisschen näher liegen und Platz machen für diese Person, die gerade hereingekommen ist. Ihr braucht die Hand oder das Bein nicht auf den Boden zu legen, ihr könnt sie auf dem Nachbarn ablegen." Heute höre ich es auf den CDs, die wir haben (die Originaltonbänder aus der Alexander-Yanai-Straße sind für Feldenkrais-LehrerInnen zugänglich; es sind 560 Lektionen auf 24 CDs), und dann muss ich lachen. Er sagt: „Ihr braucht nicht so viel Platz." Nach der Stunde nahmen wir die Matten und verstauten sie. Zu Hause schrieb ich mir die Lektionen auf.

Feldenkrais war wirklich ein Genie. Er war von Beruf Physiker, aber in vielen Dingen, die Teil der Methode sind, war er Autodidakt, hat er sich selbst unterrichtet. Und er hat die Methode nach seinen eigenen Fähigkeiten des eigenständigen Lernens kreiert. Er sagte uns: „Ich zeige Euch dies und das, und bis zum nächsten Mal studiert ihr alleine bestimmte Dinge und erweitert euren Geist. Wenn ihr wiederkommt, machen wir zusammen weiter." Wenn alle Leute so brillant wären, bräuchte man keine Schulen. Brillanz ist eine interessante Sache, und sie ist keine Frage des sozialen oder Bildungshintergrunds. Man ist brillant oder man ist es nicht. Beispielsweise hatte ich einen brillanten Vater. Zuhause waren wir vier Kinder. Er war Arzt und in vielen Feldern sehr, sehr intelligent, er sprach, las und schrieb zum Beispiel sieben Sprachen. Aber wir sind nur zur Hauptschule gegangen, weil er meinte, wir könnten schon alleine lernen. „Israel muss aufgebaut werden, wir müssen arbeiten; ihr könnt selbstständig lernen." Und das taten wir. Wir gingen mit der ganzen Familie zu Konzerten, zu Theateraufführungen, zu Vorträgen und Ausstellungen.

Mein Vater war aus Polen. Wir alle kämpften mit ihm. Aber er verstand nicht, dass ich auch Diplome brauchte. Ich war selbst schon Mutter, als ich schließlich zur Universität ging. Und als ich schließlich meinen BA von der Uni bekam, da sagte er: „Wunderbar, jetzt hast du was für deinen Lebenslauf. Aber bist du jetzt schlauer als gestern? Konntest du all diese Bücher nicht ohne Universität lesen?" Siehst du, ich will sagen, ich bin nicht brillant, aber ich weiß, was Brillanz ist.

Ich habe 35 Jahre lang Sport unterrichtet und war immer noch an der Schule, als ich die Ausbildung gemacht habe... Inzwischen bin ich in Pension. Irgendwann habe ich Kurse in "Bewusstheit durch Bewegung" mit Chava gemacht und habe ihr gesagt, dass ich Moshés Lektionen von Alexander-Yanai aufgeschrieben habe und plane, zu Hause zu arbeiten und Feldenkrais-Lektionen zu geben. Aber sie hat mich überzeugt, dass es nicht genug ist, diese Lektionen zu haben, dass ich lieber die Methode lernen sollte, und jetzt bin ich wirklich dankbar, dass ich auf sie gehört habe. Ich habe 1991 die Ausbildung mit Chava in Tel Aviv abgeschlossen.

Es ist eine Schande, was in Israel passiert. Wir sind mehr als 700 Feldenkrais-LehrerInnen, aber nur 230 sind Mitglieder in der Gilde. Nur 230! Ich finde das unmöglich. Wir versuchen ständig zu erklären, wie viel mehr wir tun könnten, wenn alle 700 in der Gilde wären...

Die israelische Gilde organisiert in der Regel viele Workshops. Letzte Woche hatten wir einen Arzt eingeladen, der uns Parkinson erklärt hat. Wir laden öfter Spezialisten ein, die uns Vorträge halten zu Problemen, auf die wir in unserer Praxis stoßen. Zu diesen Workshops kommen meistens viele Leute. Aber wer nicht Mitglied ist, muss zahlen. Es ist sehr schade, dass nicht alle Leute Mitglieder sind. Wie viel mehr wir dann machen könnten! Ich hoffe sehr, dass wir zu einem Lizenzierungsprozess kommen, und dann müssen alle Mitglied der Gilde sein, sonst kriegen sie keine Lizenz. Es gibt jetzt eine Arbeitsgruppe, die an diesem Vorschlag arbeitet.

Meiner Ansicht nach haben wir zu viele Trainings in Israel. Israel ist ein kleines Land und es gibt immer fünf bis sechs Ausbildungen gleichzeitig, alle in Tel Aviv und Jerusalem, alle sehr nahe beieinander. Normalerweise sind jetzt 20 bis 40 Leute in der Ausbildung. Was ich besorgniserregend finde ist, dass Leute ein Training abschließen und sich dann nicht kompetent genug fühlen, um anzufangen zu arbeiten. Sie schauen sich nach dem nächsten Training um und fangen eine neue Ausbildung an, wieder vom Anfang an. Auch Yochanan Rywerant arbeitet in Tel Aviv, in meinem Studio. Er ist 84, aber er bildet immer noch aus, und er macht 40-tägige Workshops, so etwas wie Advanced Trainings. Leute kommen zu ihm, die schon mit jemand anderem eine ganze Ausbildung gemacht haben, sie kommen aus allen möglichen Ecken. Sie haben graduiert – und dann machen sie die ganze Ausbildung noch einmal mit Yochanan. Ich denke, dass es ein Misserfolg der Ausbildungen ist, dass die Leute das nötig finden, um genug Selbstvertrauen zu kriegen, die Methode zu unterrichten.

Ich bin in EuroTAB-Council gewesen, und jetzt bin ich in Berlin als Delegierte unserer Gilde bei der IFF; ich bin auch Mitglied der International Working Group on Training Policies. Ich arbeite auf dieser internationalen Ebene mit, weil ich mir Sorgen um die Zukunft der Feldenkrais-Methode mache. Ich glaube, es ist eine sehr wichtige und sehr gute Methode. Ich habe Pädagogik studiert. Ich musste viele Kurse machen über die Psychologie des Lernens, über pädagogische und methodische Fragen. Und ich habe viel Erfahrung durch meine Arbeit in der Schule. Ich habe das Gefühl, dass viele, die eine Feldenkrais-Ausbildung beenden, nicht einmal wissen, wie man anfangen kann zu unterrichten. Ein Problem ist ihre Sprache. Oft können sie keine Beispiele geben, sie haben keine Worte, um etwas zu erklären, sie haben keine Phantasie. Eine Feldenkrais-Lehrerin erzählte mir, dass die Lektionen sehr schwierig sind und dass sie nur einen Teil der Lektionen für die Stunden mit ihren SchülerInnen benutzen kann. Jemand anderes liest die Lektionen ihren SchülerInnen vor. Einige meiner KlientInnen erzählen mir, dass FreundInnen aus den Feldenkrais-Kursen rausgehen, weil es ihnen zu langweilig ist. Wenn ich so etwas höre, mache ich mir Sorgen darüber, was da los ist.

Ich bin mir nicht sicher, ob die internationale Gemeinschaft helfen kann, die Situation zu verbessern, denn da sind viele ökonomische Interessen im Spiel. Mein Gefühl ist, dass Trainer sehr hartnäckig an der Art und Weise des Unterrichts festhalten, an die sie gewöhnt sind. Vielleicht fürchten sie, ihre SchülerInnen zu ermutigen, auch mit anderen LehrerInnen zu lernen, und überhaupt zu studieren, sagen wir mal Psychologie oder Physiologie, weil es ihnen etwas von der Macht nehmen würde und auch einen Teil ihres Geschäfts. Aber für mich ist es eine Tatsache, dass wir sehr viel mehr wissen müssten.

Was helfen könnte, wäre vielleicht ein Lizenzierungsprozess, der international durchgesetzt werden müsste. Ich glaube, dass das kommen wird. Es ist unmöglich, weiter zu arbeiten ohne Qualitätsstandards und Standards der Kompetenz. Also, es ist ein Gefühl der Verantwortung, das mich hier her bringt.

 

Copyright Naomi Doron und Uta Ruge

Zuerst erschienen in Feldenkraisforum, Ausgabe 53, 2006