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Annette Orphal (Deutsch)
Submitted by webservices on September 10, 2006 - 10:52pm.
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Zusammenhalt emotional näher bringenAnnette Orphal, Feldenkrais France Ich bin in Frankreich und Deutschland zweisprachig aufgewachsen, alle paar Jahre zog ich wieder ins jeweils andere Land. Schließlich habe ich Frankreich gewählt und lebe jetzt in Paris. Zu Feldenkrais bin ich in der Phase der Orientierungssuche als Jugendliche gekommen. Ich suchte etwas, bei dem ich meine wissenschaftlichen Interessen verbinden kann mit meiner Lust am Tanzen und kam auf die Idee, Psychologie zu studieren mit der Perspektive, danach in Richtung Tanztherapie zu gehen. Das war in der Zeit des Abiturs, das ich in Deutschland gemacht habe. Studiert habe ich in Frankreich, fuhr aber oft nach Köln, wo ich Lehrgänge in verschiedenen Tanztherapien und Körpermethoden mitmachte. Dort habe ich auch die Feldenkrais-Methode kennen gelernt, die mir spontan am besten gefiel – die Selbsterfahrung einer zuvor nie so wahrgenommenen, tiefen, inneren Freude, die da plötzlich in mir aufstieg und mich ganz überströmte, warf Fragen auf, denen ich unbedingt nachforschen wollte: Wie konnten diese Bewegungserfahrungen solche Lebensfreude zutage fördern? Ich war damals Anfang Zwanzig und gerade mit dem Vorstudium fertig. Ein Jahr später habe ich dann die Ausbildung bei Myriam angefangen und sie von da an parallel zum Psychologiestudium laufen lassen. Fertig geworden bin ich 1999, wobei die Feldenkrais-Ausbildung ein bisschen über mein Studium hinaus gedauert hat, weil ich zwischendurch noch drei Kinder bekommen habe, und die Ausbildung dadurch für mich fünf Jahre in Anspruch genommen hat. Danach habe ich mich zunächst als Psychologin auf frühe Mutter-Kind-Interaktionen spezialisiert, veranlasst durch das eigene Erleben vor allem mit meinem ersten Kind. Nach dem Studium habe ich mich weiter fortgebildet in psycho-pädagogischer Begleitung von Eltern mit kleinen Kindern, habe therapeutische Ansätze studiert und mich dann ziemlich schnell frei niedergelassen. Ich merkte, dass ich da am freiesten arbeiten und meine eigenen Ansätze entwickeln kann. Inzwischen arbeite ich in einer Kinderkrippe und zwei weiteren Kindertagesstätten, in die nicht berufstätige Eltern halbtags oder stundenweise oder für einen Tag ihre Kinder bringen können, um mal selber Luft zu holen. Ich arbeite dort als Psychologin, habe aber von Anfang an auf Wunsch meines Arbeitgebers Feldenkrais mit eingebracht. Daneben hat sich auch über die Stadt eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Familienorganisationen vor Ort entwickelt, mit denen ich gemeinsam Projekte im Bereich Elternarbeit und Elternunterstützung ausarbeite. Da geht es darum, die Eltern-Kind-Interaktionen zu stärken – und um das zu bewirken, benutze ich den Feldenkrais-Ansatz. Ich zeige den Eltern vor allem, wie sie ihre Kinder berühren können und überzeuge sie davon, dass es gut ist, die Kinder sich selbst spüren zu lassen. Und über das, was die Eltern an ihren Kindern entdecken, beginnen sie meist, sich auch für sich selbst und ihre eigene Entwicklung zu interessieren. Als „Feldenkrais-Psychologin" habe ich dann mein Ziel erreicht: Die Menschen auf dem Weg der vielen offenen Fragen zu begleiten, wo es so viel zu entdecken gibt. Die Gildearbeit ist mir wichtig, weil ich ziemlich schnell gemerkt habe, dass ich in diesem Beruf nicht einfach alleine losrudern kann. Ich wollte wissen, in welchem Kontext ich da bin und wo ich mich ansiedle. Es reichte mir nicht nur zu lesen, sondern ich musste es durch das eigene Tun entdecken. Das ist meine persönliche Strategie, dieses ganze ‚Feldenkrais-Land’ besser kennen zu lernen. Durch das bessere Kennen des Umfeldes sehe ich auch besser, wo mein eigener Platz sein kann und was ich da genau für eine Arbeit tue – und warum. Es hilft mir beim Aufbau meiner eigenen Identität als Feldenkrais-Lehrerin. Ich sehe das ganz parallel zu der Kindesentwicklung, wo sich das Ich auch entwickelt aus der Interaktion mit dem Umfeld. Die französische Feldenkrais-Gilde wurde 1987 gegründet und hat 151 Vollmitglieder plus 107 studentische Mitglieder. Ich bin Mitglied im Vorstand und zuständig für die internationale Kommunikation, ursprünglich für den Euro-TAB-Council, in dem ich die letzten drei Jahre Sekretärin war; seit 2003 bin ich zusätzlich Delegierte in der IFF. Was die Mitglieder betrifft: Wir sind seit einigen Jahren immer so um die 150-160 Vollmitglieder gewesen, aber es sind nicht immer dieselben Leute. Es gibt vielmehr einen bestimmten Stamm von Mitgliedern, die von Jahr zu Jahr weiter dabei bleiben, und dann gibt es viele, die kommen und dann auch wieder gehen, weil es ihnen innerhalb unserer Gilde an Zusammenhalt mangelt. Durch die Arbeit im internationalen Ressort habe ich inzwischen auch besser verstanden, woran es uns in Frankreich mangelt. Die größte Herausforderung ist, das eigene Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Gilde zu stärken. Unter unseren Mitgliedern sind einige, die schon seit Urzeiten dabei sind, aber dann gibt es auch viele, die mit einer bestimmten Hoffnung kommen, die sich nicht erfüllt – und dann gehen sie wieder. Auf die Weise bleibt unsere Mitgliederzahl konstant, während die Zahl der Feldenkrais-LehrerInnen in Frankreich permanent ansteigt. Ich denke, die größte Herausforderung ist dafür zu sorgen, dass sich die Leute durch die Gilde als wirklich zusammengehörig empfinden. Es geht da tatsächlich sehr um das Empfinden. Unsere Aufgabe sehe ich darin, für Prozesse zu sorgen, die den Mitgliedern diesen Zusammenhalt auch emotional näher bringen, dass sie ihn deutlicher spüren, dass sie auch spüren, sie können selbst darin aktiv werden und diesen Zusammenhalt selber schaffen. Ein schönes, sehr wirksames Beispiel, wie man solche Prozesse gestalten kann, ist meiner Ansicht nach der IFF-Academy-Workshop Prisma Blau, dessen Kurzversion ich auf unserer Mitgliederversammlung zusammen mit Silke Bonardi und anderen KollegInnen entwickelt und angeboten habe. Es waren leider zur Mitgliederversammlung nur sehr wenige Leute da, aber die haben mitgemacht und waren begeistert. Das Interesse daran wächst. Tatsächlich wurde bei einer kürzlichen Mitgliederbefragung der Wunsch nach mehr Zusammenhalt sehr deutlich formuliert. All die anderen, üblichen Dinge, also dass die Bekanntheit der Methode verbessert werden soll, dass man seinen Lebensunterhalt damit verdienen können will – das sind so die anderen Konstanten. Aber darin sehe ich keine Hebel zur Veränderung. Ich sehe es ähnlich wie in den Feldenkrais-Sitzungen: Da kommt jemand, weil er Schulterschmerzen hat – aber das bedeutet nicht, dass man jetzt mit der Schulter rumackert... Wenn die Feldenkrais-LehrerInnen mehr Zusammenhalt spüren, einander begeistern und Lust entwickeln, mehr gemeinsam zu tun, dann werden sie die Methode selbst mehr an die Öffentlichkeit tragen. Ich glaube einfach nicht, dass die Gilde dafür zuständig ist, dass die Leute mehr Klienten kriegen. Zwar erwarten unsere Mitglieder das, aber wir erfüllen die Erwartung nicht auf dem direkten Weg: genau wie in einer Feldenkrais-Stunde...
Copyright Annette Orphal und Uta Ruge Zuerst erschienen in Feldenkraisforum, Ausgabe 53, 2006 |
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