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IFF Academy for Feldenkrais Practitioners

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Rupert Watson (Deutsch)

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 Photo Frank Höfer ©
Wie kann eine Gruppe die Feldenkrais-Methode auf sich als Gruppe anwenden?

Rupert Watson, NZFG, New Zealand Feldenkrais Guild

Angefangen habe ich als Lehrer und dabei habe ich auch auf verschiedenen Ebenen unterrichtet, unter anderem mit Lernbehinderten. Außerdem bin ich als 20-jähriger sehr viel gereist. Einige Jahre habe ich in London gelebt und dort viele Afrikaner getroffen, die dasselbe machen wie viele Neuseeländer: Sie gehen ins Ausland und machen dort Erfahrungen. Mein besonderes Interesse galt internationalen Themen und sozio-kulturellen Bewegungen, und das hat sich dann um das Africa-Centre in London zentriert. Als ich wieder zurück in Neuseeland war, habe ich sieben Jahre lang an Neuseelands Auslandsbeziehungen, insbesondere mit Afrika, mitgearbeitet und ein kleines Bildungszentrum in Neuseeland in enger Beziehung zum Zentrum in London geleitet. Ich war stark involviert in die Problematik der südafrikanischen Befreiungsbewegung – es war noch die Zeit der Apartheid – habe aber auch beigetragen zu Projekten des kulturellen Austauschs mit anderen Teilen Afrikas. Ich stand damals unserem damaligen Premierminister, dem verstorbenen David Lange nahe, und da wir damals viele diplomatische Krisen in unserer Beziehung zu afrikanischen Ländern hatten, habe ich dann auch auf Regierungsebene mit Vermittlungsversuchen zu tun gehabt. Das war ziemlich interessant.

Nach einer Erziehungspause übernahm ich Aufgaben für den Stadtrat von Wellington (Hauptstadt Neuseelands). Ich bin sozusagen in meine Community zurück gegangen, in mein Arbeitsfeld, Zeitungs- und Medienarbeit für die Stadt und den Bürgermeister, Reden schreiben und solche Dinge. Vom Laufen hatte ich Verletzungen, und meine Tochter litt an den Folgen eines Unfalls. Dadurch bin ich auf Gesundheitsthemen gekommen und fing an, Massage zu lernen. Das öffnete mir die Tür zu dieser Welt, und ich fragte mich ständig: Was ist dies? Was ist das? Was ist Chiropraxis? Und das? Man legt sich auf den Boden? Ich las sehr viel und es fing an, mich zu interessieren. Und ich bin auf das Feldenkrais-Zeug sofort ziemlich abgefahren. Ich profitierte davon mehr als von allem anderen. Ich fand, es war unglaublich, eine wirklich beeindruckende Art, Menschen bei der Verbesserung ihres Lebens zu helfen. Ich dachte zunächst, ich würde einfach Massage machen und zu Feldenkrais nur für mich gehen. Aber dann bin ich 1999 ins Training gesprungen, habe in der Lebensmitte noch mal meinen Beruf gewechselt und mich dann ins Feldenkrais-Leben gestürzt. Ich unterrichte mehrere wöchentliche Klassen. Sie sind alle ziemlich klein, aber ich habe das Gefühl, dass wir, die neuen Feldenkrais-LehrerInnen in Neuseeland und ich, ein gutes Fundament legen für ein kontinuierliches Wachstum unserer Arbeit.

Die Feldenkrais-LehrerInnen aus meinem Training arbeiten oft miteinander zusammen, unterrichten sogar gemeinsame Workshops und reguläre Kurse. Und langsam, langsam, langsam unterrichte ich auch mehr FIs. Ich baue einfach sachte das Feldenkrais-Studio auf, mache Massage und übernehme freie Aufträge wie Reden schreiben. Aber der Mittelpunkt meiner Woche ist, wenn ich meine Kurse unterrichte.

 

Die Neuseeländische Gilde ist sehr klein und noch jung; sie ist 1995 gegründet worden. Wir haben ungefähr 35 Mitglieder, von denen ungefähr nur drei oder vier ihren vollen Lebensunterhalt mit der Feldenkrais-Methode verdienen. Als ich das begriff, war das ein ziemlicher Schock für mich, aber ich glaube, der Groschen ist bei mir ungefähr nach der Hälfte des Trainings gefallen. Wir haben in Wellington eine sehr erfolgreiche Feldenkrais-Lehrerin, eine Deutsche namens Elke Dunlop. Sie organisiert das nächste Training, das 2007 mit Petra Koch in Neuseeland anfängt. Bisher hat es zwei Trainings in Neuseeland gegeben, eines Anfang der Neunziger. Ungefähr acht Leute aus dieser ersten Trainingsgruppe haben ungeheuer geackert, um die Gilde in Gang zu bringen und haben sehr viel Basisarbeit für eine kleine, aber doch ziemlich professionelle Organisation gemacht. Aber sie haben sich damit ziemlich ausgebrannt und schließlich das Ganze an die Studenten des nächsten Trainings übergeben..., einige von uns mussten sich einfach melden, schlichtweg um die Gilde am Laufen zu halten.

Seither arbeite ich im Vorstand, etwa seit drei oder vier Jahren. Nachdem ich Präsident wurde, haben wir eine Art strategische Planung gemacht, haben uns unsere Ressourcen angeguckt, um zu schauen, was wir leisten können und was nicht. Ein Gildemitglied arbeitet im Bereich Strategische Planung, und sie hat mit uns ein paar Workshops gemacht. Die Frage war: Wie kann eine Gruppe die Feldenkrais-Methode eigentlich auf sich selbst als Gruppe anwenden?

Natürlich haben wir kein Büro und keine Angestellten, aber wir haben eine monatliche Telefonkonferenz. Es gibt einen riesigen Berg Arbeit, den wir vor uns haben, aber wir wollen es wirklich einfach und angenehm machen, Teil der Gilde zu sein. Deshalb arbeiten wir ziemlich viel an dieser strategischen Planung, an den Feldern, die wir beackern müssen. Wir erwarten nicht, dass das alles über Nacht passiert. Aber einige Leute haben ein Fachwissen und wir ermutigen sie, es einzubringen. Eine Frau arbeitet in der Werbung, und sie erneuert gerade sehr gründlich unsere Webseite.

Die meisten unserer Mitglieder machen ihre alten Jobs weiter. Sie versuchen, ein- oder zweimal die Woche Klassen zu unterrichten, und sie brauchen viel persönliche Unterstützung, viel Motivation. Ich tue dafür eine ganze Menge. In den letzten sechs Monaten bin ich ziemlich viel herumgereist und habe Feldenkrais-LehrerInnen besucht. Wir sind im Aufbauen einer Community echt stark.

Wir haben auch Fortbildungskriterien festgelegt, vieles neu überarbeitet. Wir haben gerade die Wortmarken erneuert und sind mit der Lizenzierung sehr strikt. Außerdem haben wir eine starke Bindung an Australien und an das australische TAB, was heißt, wir zahlen Beiträge sowohl an die IFF als auch an Aus-TAB. Einige meckern darüber oder sagen: „Liebe Leute, eigentlich reicht es, mit Aus-TAB zu arbeiten, die sind näher dran." Und natürlich stimmt es, unsere Verbindung im pazifischen Raum sind wichtig. Wir versuchen, die Beziehung mit Australien auszuweiten, mehr Ausbilder aus Australien rüber zu holen. Es gibt einige australische Assistenten, die wir einladen. Aber wir versuchen auch, etwas auf die Reihe zu kriegen, was uns in Verbindung mit der gesamten internationalen Community hält. Ich glaube, es ist für die Gilde und unsere Mitglieder wichtig mitzukriegen, dass sie von der internationalen Community geschätzt werden und auch merken, dass die Situation bei uns ziemlich ähnlich ist zu dem, mit was sich die anderen Gilden herumschlagen müssen. Im Prinzip ist doch bei uns allen die Frage, wie wir die Methode vermitteln können, oder wie wir uns präsentieren – zumal wenn man bedenkt, dass so viele verrückte Modelle existieren, die alle das Paradies auf Erden versprechen.

Auf meiner ersten Versammlung in Soesterberg (2003; aus finanziellen Gründen nehmen wir nur alle zwei Jahre teil) war ich noch ein bisschen ängstlich, da ich grad erst Feldenkrais-Lehrer geworden war. Aber dann habe ich gesehen, dass es nicht nötig ist, sich zu ängstigen, und war sehr beeindruckt von dem Ganzen: der Mangel an Bürokratie und Hierarchie, die Anerkennung von Leuten, die auf ehrenamtlicher Ebene ganz tolle Arbeit machen. Also bin ich nach Neuseeland zurückgefahren und habe sehr positiv über die IFF gesprochen – was neu war, denn der vorige Präsident war nicht so positiv gestimmt.

Inzwischen hatten wir IFF-Akademie-Workhops in Neuseeland, die Janie Randerson organisiert hat. Ich bin zu dem gegangen, den sie im letzten Jahr (2004) in Wellington organisierte. Es war eine sehr schöne Erfahrung, von einer Perspektive zur anderen zu gehen. Es war ein wunderschöner, friedlicher Tag und ich hatte ein Gefühl von wirklicher Beziehung zwischen uns allen. Die Idee der IFF-Akademie, eine kooperative Lernkultur zu fördern, ist auch für die anderen dadurch lebendig geworden. Danach war jedem ein bisschen mehr bewusst, dass die IFF mehr ist als nur das Treffen ein Mal im Jahr. Dass es vielmehr um die Verbesserung der Qualität unserer Arbeit geht, und darum, uns untereinander auch beruflich zu unterstützen und zu einer Beteiligung auf allen Ebenen zu ermutigen.

 

Copyright Rupert Watson und Uta Ruge

Zuerst erschienen in Feldenkraisforum, Ausgabe 54, 2006