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IFF Academy for Feldenkrais Practitioners

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Jenni Evans (Deutsch)

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 Photo Frank Höfer ©

Sind wir ein Beruf oder eine Gruppe von Leuten mit einem Hobby?

Jenni Evans, Australian Feldenkrais Guild Incorporated, IFF Vorstandsmitglied (Sekretärin) seit März 2005

Ich bin als Kommunikationsingenieurin ausgebildet, das war vor der Zeit von Computer und Internet, also lernte ich alles, was mit Telephon und Fernsehen zusammenhängt. Meine Arbeit war in der Hauptsache Geräuschmessung, und ich bin gern in die verschiedenen Fabriken gegangen, um den Lärmpegel zu messen und zu sehen, wie sich das auf die Menschen auswirkt. Aber dann habe ich mich weiter Richtung Prozessgestaltung und Schulung qualifiziert, also Menschen helfen zu lernen, wie man etwas macht. Ach ja, und als Teenager hab ich auch Judo gemacht.

Das erste Mal, dass ich von Feldenkrais hörte, war in meinem NLP-Kurs. Da gab es einen Practitioner, der darüber referierte, dass die Feldenkrais-Methode eine Lernmethode ist, und dass sie hilft, den Leuten beizubringen, wie man lernt. Er sprach über die Idee, dass etwas angenehm sein sollte – und das unterschied sich ziemlich von dem, was die übrige Welt zu der Zeit behauptete, nämlich dass man nicht lernen kann, wenn man sich nicht konfrontiert mit etwas, das unbekannt und unbequem ist.

Einige dieser Ideen, z.B. dass es darauf ankäme, etwas in kleinem Umfang zu machen, Anstrengung zu reduzieren, Aufmerksamkeit zwischen Detail und Ganzem wandern zu lassen, fand ich sehr plausibel. Ich wollte schon damals gern begreifen, wie Menschen lernen, und was der Unterschied ist zwischen denen, die viel tun und zu guten Ergebnisse kommen, und denen, die auch viel tun, aber nicht so gute Ergebnisse erzielen.

Das war etwas, was wir an der Universität in Melbourne beobachten konnten. Dort unterrichtete ich diverse Fächer im Bereich Unternehmensführung und Kommunikation.

Es gab dort StudentInnen, die sich bei der Erarbeitung des Stoffs in der Klasse gut beteiligten, aber dann in ihren Prüfungen sehr schlecht abschnitten. Wir machten uns Sorgen über sie und haben uns gefragt, ob wir ihre Schwierigkeiten nicht vielleicht früher bemerken könnten, oder ob wir ihr Lernen in anderer Art und Weise unterstützen müssten, die ihnen hilft, erfolgreicher zu sein. Wir halfen den Studenten durch Gespräche und indem wir uns mit mehr Aufmerksamkeit ihrem eigenen Prozess zuwandten, und da fing es natürlich an, sich zu verändern. Ihre Aufmerksamkeit dafür, welche intellektuellen Strategien sie hatten, verstärkte sich, und sie entdeckten zunehmend mehr Wahlmöglichkeiten, sahen immer mehr Gelegenheit, Dinge auf andere Weise zu tun. Das führte wiederum dazu, dass die anderen Lehrer aufmerksam wurden, denn sie bemerkten die Veränderungen bei den Studenten.

Damals gingen meine Kollegin und ich zu ein paar Kursen in Bewusstheit durch Bewegung. Als wir von einem Training erfuhren, das in Melbourne stattfinden sollte, habe ich mich erst ziemlich spät darum gekümmert – gerade noch rechtzeitig, um einen Kurs für Späteinsteiger mitzumachen. Irgendwie hatte ich mich plötzlich erinnert, dass ich vor vielen Jahren mal den Gedanken gehabt hatte, es gäbe da etwas in meinen Händen, durch das ich mich mit Menschen verbinden kann und sie darin unterstützen könnte, dass es ihnen auf irgendeine Art besser geht. Und da dachte ich: „Na ja, vielleicht werde ich ja Feldenkrais-Lehrerin."

Inzwischen arbeite ich als Feldenkrais-Lehrerin in Melbourne in einer kleinen, aber wachsenden Praxis. Ich bin an einem Punkt, an dem ich beides mache, also auch noch meine Arbeit an der Universität. In Sachen pädagogischer Strategien hat sich an der Uni vieles verändert, und die Haushaltsbudgets haben unsere Arbeit der frühen achtziger Jahre dann nicht mehr unterstützt. Inzwischen allerdings scheint es eine Rückkehr zu diesen Ideen zu geben. Also ich hoffe, dass wir noch ein bisschen forschen können und diese Vorstellungen, die uns in der Feldenkrais-Welt selbstverständlich sind, noch mehr einbringen können in den Unterricht von Fächern, die mit Bewegung nichts zu tun haben.

Unsere nationale Gilde hat ungefähr 240 Vollmitglieder (ohne studentische Mitglieder). In Australien haben wir sieben verschiedene Staaten oder Territorien, und es gibt fünf Bereichsgilden, die mit eigener Satzung unabhängig arbeiten. Sie sind eng verbunden mit der australischen (nationalen) Gilde, die einige Aufgaben zentral erfüllt, wie die Einsammlung der Mitgliederbeiträge, Versicherungen organisieren usw.

Als ich mit der Ausbildung anfing, bin ich fast gleichzeitig auch in die Gilde eingetreten. Ich empfand, dass man als studentischer Beobachter im Vorstand am einfachsten mit dem zu tun kriegen kann, was in der Community läuft, und Kontakt bekommen kann mit anderen Leuten, die auch Teil dieser Community sind. Ungefähr ein Jahr später wurde der ‚Job’ als Redakteurin des Newsletter frei, und das gab mir eine wunderbare Gelegenheit mitzubestimmen, was in der Community lief. Also wurde ich Redakteurin. Fünf Ausgaben im Jahr haben wir in unserem regionalen Bereich gemacht. Zusätzlich haben wir auch noch einen australischen nationalen Newsletter, der drei Mal im Jahr erscheint; der beschäftigt sich mehr mit dem ganzen Land und führt die Diskussionen mehr auf dieser Ebene. Ich habe drei Jahre Redaktionsarbeit gemacht. Und dann öffnete sich wieder, ungefähr zu der Zeit, als ich unseren regionalen Newsletter abgab, eine Tür und ich wurde Repräsentantin unserer Regionalgilde in der nationalen Gilde.

Was ist die größte Herausforderung für uns in Australien? Die Themen, die wir zur Versammlung nach Berlin mitgebracht haben, waren: seinen Lebensunterhalt mit der Arbeit verdienen; sinkende Mitgliederzahlen und die wachsende Schwierigkeit, ehrenamtliche Mitarbeiter für den Vorstand und verschiedene Ausschüsse zu finden. Ich glaube, dass das alles miteinander zu tun hat, und diese Themen fallen vermutlich alle in dieselbe Kategorie einer Diskussion über Beruflichkeit. Sind wir ein Beruf oder eine Gruppe von Leuten mit einem Hobby? Wir haben Mitglieder, die mit einem beruflichen Hintergrund in der Physiotherapie kommen und viel mit der Feldenkrais-Methode arbeiten. Wir haben ein paar Leute, die aus anderen Gebieten kommen und trotzdem geschafft haben, ihre Kurse und Einzelstunden soweit aufzubauen, dass sie davon leben können. Von einigen Krankenversicherungen sind wir anerkannt, so dass diese Versicherten die Kosten ersetzt kriegen. Aber die meisten Klienten müssen den vollen Betrag zahlen, wenn sie zu uns kommen. Wir haben auch eine Mehrwertsteuer, die wir draufschlagen müssen, außer wenn wir Physiotherapeuten sind. Also, es gibt eine Reihe kleinerer Herausforderungen, die von einigen als Schwierigkeiten wahrgenommen werden. Für mich ist auch ein Thema, dass sich Feldenkrais-Lehrer nach der Beendigung der Ausbildung nicht trauen zu praktizieren. Sie haben keine Erfahrung mit unternehmerischer Selbstständigkeit. Sie machen am Anfang ein bisschen und dann ein bisschen weniger. Und dann sinkt ihr Zutrauen und sie rennen los, um noch ein Advanced Training zu machen und hoffen, dass das hilft. So geraten sie in eine Falle: "Ich verdiene kein Geld mit der Methode. Es kostet Geld, mich weiter auszubilden. Es kostet Geld, in der Gilde zu sein. Vielleicht will ich lieber nicht mehr in der Gilde sein."

Mein Empfinden hier bei der IFF-Versammlung ist, dass wir etwas sehr eindeutig gemeinsam haben. Es ist in gewisser Weise eine Unterstützung, all die vielen verschiedenen Probleme in anderen Ländern zu sehen, die sich mit Regulationen und Regierungen herumschlagen – manche Länder haben diese Steuern, andere nicht usw. Aber wenn wir uns auf den Boden legen, machen wir dasselbe. Und wir scheinen im Wesentlichen alle dasselbe Problem damit zu haben, unseren Kunden die Arbeit zu beschreiben... Irgendwie ist es auch beruhigend zu hören, dass die Themen überall in der Welt ziemlich dieselben sind.

 

Copyright Jenni Evans und Uta Ruge