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IFF Academy for Feldenkrais Practitioners

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Rose Eisenberg-Wieder (Deutsch)

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 Photo Frank Höfer ©

Man muss die Leute immer ein bisschen verführen, ein wenig Forschung in ihrer eigenen Praxis zu machen

Rose Eisenberg-Wieder, Asociacion Mexicana del Método FeldenkraisMein beruflicher Hintergrund: Ich bin Ärztin und habe zusätzlich noch in Wissenschaftslehre promoviert. Zur Feldenkrais-Methode kam ich in Paris, als ich dort mit meiner Familie lebte; wir gingen nach Frankreich, als mein Mann dorthin versetzt wurde.

Als ich erst 14 Jahre alt war, fing ich schon an, schreckliche Rückenbeschwerden zu kriegen; ich musste ein Korsett tragen, Spezialschuhe, massenhaft Tabletten nehmen – es war schrecklich. Aber es war mein Leben. Später einmal bin ich zusammengebrochen, das war bei einer normalen Routineuntersuchung bei meiner Gynokologin in Paris. Und sie fragte mich: „Warum machen Sie nicht Feldenkrais?"

Also begann ich, Lektionen zu nehmen, von 1981 bis 1985, als wir nach Mexiko zurückgingen.

Obwohl ich doch selbst Medizin studierte habe, hatte ich keine Ahnung von meiner eigenen Anatomie und Physiologie. Janine Mars, meine erste Feldenkrais-Lehrerin für vier Jahre, nahm mich auch zu Workshops bei Myriam Pfeffer mit, und als wir 1985 nach Mexiko zurück gingen, fing ich dort mit einer kleinen Gruppe an. Es gab da die Frau eines Kollegen von meinem Mann; sie war Chemikerin, und sie konnte ihren Kopf nicht mehr nach links drehen. Sie erzählte mir, dass sie bei vielen Ärzten gewesen sei und auch bei einem Psychiater, ohne Erfolg. Nachdem ich ihr von meinem eigenen Fall erzählt hatte, bat sie mich, mit ihr zu arbeiten. Die meisten Lektionen machte ich mit ihr zum Thema Augen, und zu unserer beider Überraschung drehte sich ihr Kopf eines Tages wieder nach links. Viele kamen nach ihr, die von mir gehört hatten.

Endlich fand ich dann Marilupe Campero; sie war Physiotherapeutin und hatte das erste Feldenkrais-Training in den Vereinigten Staaten mitgemacht. Sie hielt einen Feldenkrais-Workshop in Mexiko-City. Sie lebt in Colima, das liegt neun Autostunden von Mexiko-City entfernt. Ich war sehr froh, endlich eine Kollegin zu finden und ging zu fast allen ihren Workshops; die meisten unterrichtete Stephen Rosenholtz. Schließlich schaffte es Marilupe Campero mit großer Geduld und Energie, das erste Feldenkrais-Training in Mexiko zu organisieren. Es begann 1998 in Colima unter der Leitung von Stephen Rosenholtz, der auch Spanisch spricht.

Ich praktiziere weiterhin als Ärztin, inzwischen unter Einbeziehung der Feldenkrais-Methode; dabei arbeite ich mit vielen Menschen, die von Parkinson, Multipler Sklerose und allen möglichen dieser Art chronischer Krankheiten betroffen sind, aber auch einfach mit Leuten von der Universität, wo ich weiterhin meinen hauptsächlichen Arbeitsplatz habe. Meine Arbeit dort besteht aus Forschungsarbeiten zu Gesundheit und Umwelt. Mit meinen Medizinstudenten mache ich manchmal ein paar ATM-Sequenzen, fünf, zehn Minuten, mehr nicht. Aber sie sind neugierig und machen gerne mit. Ich praktiziere Feldenkrais, aber ich forsche auch darüber. Kürzlich schrieb ich einen Artikel über meine Forschung über die psychophysische Erholung von Akademikern. Sie sind immer nur in ihrem Kopf und haben große Stressprobleme (Anmerkung von Uta Ruge: siehe auch IFF Research Journal II).

Unsere Gilde in Mexiko ist sehr klein und sehr neu. Sie wurde 2002 während der letzten Trainingsmonate gegründet. Anfangs waren wir etwa 25 Leute. Es gab TeilnehmerInnen aus Kanada, Frankreich und der Schweiz, denn unser Training ist billiger als viele andere. Aber mit dem Ende des Trainings verlassen viele die Gilde wieder und zur Zeit haben wir nur 14 Mitglieder.

Im Moment läuft das zweite Training in Mexiko, zumeist wird auf Spanisch unterrichtet mit Übersetzungen für die englisch- und französischsprachigen AusbilderInnen. Im ersten mexikanischen Training waren ungefähr 40 Mitglieder, im zweiten sind jetzt etwa 35, aber wie gesagt, viele kommen aus dem Ausland. Die Ausbildungen finden statt an der Universität von Colima als Teil der Organisation für medizinische Berufe. Die Organisatoren müssen das gesamte Programm einreichen, und ich habe ihnen geholfen, es so zu formulieren, dass es für das universitäre Curriculum akzeptabel ist. Ein Teil der Ausbildung ist z.B. dynamische Anatomie, Physiologie – nicht so sehr Psychologie oder Soziologie, das fehlt noch; aber manchmal gibt es Vorträge und Yvan Yoly stellt die Arbeit wirklich sehr gut in einen soziologischen und pschologischen Kontext. Die TeilnehmerInnen müssen keinen medizinischen Hintergrund haben; wir haben KollegInnen, die KünstlerInnen waren – TänzerInnen, BildhauerInnen – oder PsychologInnen, TherapeutInnen, ÄrztInnen, ApothekerInnen, IngenieurInnen... Alle haben einen Beruf. In Mexiko wird man nur mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung zum Feldenkrais-Training zugelassen.

Die größte Herausforderung für unsere Gilde im Moment? Ich glaube, das bin ich (lacht). Ich bin im Vorstand für die Forschung zuständig und es ist schwierig, die Leute von der Wichtigkeit des Forschens zu überzeugen... Man muss die Leute immer ein bisschen verführen, ein wenig Forschung in ihrer eigenen Praxis zu machen, was vor allem heißt, darüber zu schreiben. Innerhalb der IFF fand ich den PRISMA Workshop, Barbara Pieper hatte mich eingeladen. Ich habe Barbara auf dem Kongress in Seattle getroffen, wo sie und Daniel Clenin unterrichtet haben. Ich habe mich darin sehr wohl gefühlt. Wir haben denselben methodologischen Ansatz.

In der Gilde müssen wir die Leute dazu verführen, sich einmal im Moment zu treffen, zu lernen, zusammen zu arbeiten. Im Vorstand und Vorsitz tut man viel für diese monatlichen Treffen, aber oft sind wir nur zu viert oder sechst. Also muss man es interessant machen, damit die Leute wirklich kommen. Natürlich gibt es da auch noch das finanzielle Problem, denn im Moment ist die ökonomische Lage im Land äußerst kritisch, und wir können denen, die die Forschung in der Gilde unterstützen, kein Geld geben. Ich persönlich habe das Problem nicht, weil ich noch die Uni habe. Dort versuche ich – und schaffe es auch – mehr Leute dafür zu interessieren, aber meine Assistenten muss ich selber bezahlen. Zwei KollegInnen von der Uni haben Feldenkrais-Lektionen genommen und es sehr genossen; jetzt machen sie die Ausbildung. Aber die Ausbildung ist sehr teuer, wirklich sehr, sehr teuer. Und es ist nicht einfach, von der Uni oder vom Arbeitgeber einen ganzen Monat dafür frei zu bekommen. Geld ist ein großes Problem und die Gilde konnte mir nur ein bisschen helfen, als ich letztes Jahr (2004) zur Konferenz nach Seattle fuhr. Alles Geld muss jetzt für Übersetzungen gespart werden. Wir verhandeln mit der IFF darüber, ob wir einige der Yanai-Lektionen ins Spanische übersetzen dürfen. Wir brauchen sehr dringend mehr Unterrichtsmaterial auf Spanisch.

Unser Erster Vorsitzender Graco Posadas hat mit großem Aufwand einen Vorschlag erarbeitet, um die Erlaubnis der IFF zu bekommen, Alexander-Yanai-Lektionen ins Spanische zu übersetzen. Zwei sind bereits übersetzt, 25 sollen es werden. Das wird 11 Jahre dauern, denn wir machen nur zwei pro Jahr, alles in kleinen Schritten. Marilupe kontrolliert die Übersetzung, und wir arbeiten auch mit unseren argentinischen KollegInnen zusammen; ihr Spanisch ist wiederum anders, und wir müssen sehr genau sein und eine sehr sorgfältige Übersetzung machen. Wir werden ein Glossar ans Ende stellen, um die Unterschiede dort aufzuzeigen. Die Entfernung zwischen Argentinien und Mexiko ist groß, zwölf Stunden mit dem Flugzeug! Und für unsere argentinischen KollegInnen ist in finanzieller Hinsicht alles noch schlimmer. Wir übersetzen übrigens auch „Abenteuer im Dschungel des Gehirn" ins Spanische.

Ich meine, die internationale Community ist für uns von größter Bedeutung. Wir können ohne Kommunikation nicht wirklich existieren, nicht ohne diese Beziehungen, ohne Treffen wie diese oder andere Kongresse. Ja, wir können die Lektionen lesen oder mit KollegInnen bei unseren Zusammenkünften sprechen, aber ich glaube, wir müssen auch die Vielfältigkeit des Denkens zur Kenntnis nehmen. Und für jede Art Forschung braucht man den breitesten Austausch von Daten und Erfahrungen. Nur hier treffen wir andere, die auch Feldenkrais erforschen.

Ich bringe von diesen Treffen viel mit nach Hause. Ich bringe alle Zeitschriften und habe angefangen, Material zu übersetzen, ich habe Fotos gemacht. Nicht viele wollten gehen. Ein Grund ist das fehlende Geld, aber dann gibt es auch die große Angst, nicht gut genug Englisch zu sprechen. Eines Tages müssen sie es alle erleben, um zu merken, wie wertvoll es ist. Die Versammlung hier in Berlin ist eine neue Art, Demokratie zu leben. Wirklich!

 

Copyright Rose Eisenberg-Wieder und Uta Ruge

Zuerst erschienen in Feldenkraisforum, Ausgabe 55, 2006