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George Krutz (Deutsch)
Submitted by webservices on September 10, 2006 - 11:19pm.
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Das Gefühl, an etwas wirklich Kreativem mitzuarbeiten George, bis vor einigen Monaten warst du Präsident der FGNA (Vorsitzender der nordamerikanischen Feldenkraisgilde). Und jetzt bist du als Delegierter zur Vollversammlung der IFF (Internationale Feldenkrais Föderation) in Berlin. Wie hat das alles bei dir angefangen? Also war für dich durch Aikido diese Kombination mentaler und physischer Veränderungen in dir selbst und bei anderen durch Feldenkrais nichts Neues. Aber wie war das mit dem Lernen und Unterrichten? Wie war es, als du dann tatsächlich angefangen hast, die Feldenkrais-Methode zu praktizieren? Wie viele Jahre hat es gedauert, bis du nur noch einen Tag in der Woche im alten Job gearbeitet hast? Ich würde sagen, dass ich innerhalb von zwei Jahren drei oder vier Tage regulär voll hatte, und auch jetzt belasse ich es bei vier Praxistagen und mache in der restlichen Zeit Gildearbeit oder meine Buchhaltung – oder nehme mir ein paar freie Tage für mich. Wie viele Feldenkrais-LehrerInnen gibt es jetzt in Chicago? Du selbst warst 1994 fertig. Für dieses Wachstum hast du auch selbst gesorgt, in dem du später Ausbildungen dort organisiert hast. Ich wollte mit Gaby Yaron weiter arbeiten, die ein zweite Ausbildung in Chicago machen sollte. Ich hatte mich bei der Organisatorin dieser Ausbildung gemeldet und wollte gern im Team vor Ort mitarbeiten. Aber dann starb Gaby leider, bevor die Ausbildung anfing. Jeff Haller wurde Pädagogischer Direktor und so kam es, dass ich in dieser Ausbildung mit Jeff täglich dabei war. Etwa 1999 haben Julie Casson-Ruben und Paul Ruben mich dann eingeladen, ihre Ausbildung, die sie in Chicago vorhatten, mit zu organisieren. Das habe ich gemacht und konnte in der Ausbildung zusätzlich zur Koordinationsarbeit vor allem als erfahrener Feldenkrais-Lehrer arbeiten... Du bist also zu den Leuten in der Feldenkraisgemeinschaft gestoßen, die irgendwie weiter involviert sind mit der Ausbildung – und mit der Gilde... Ja, man hat mich eingeladen, weiter Ausbildungen zu organisieren. 1999 waren wir mitten drin, als mich ein paar Leute ansprachen, ob ich nicht als Vorsitzender des Gildevorstands kandidieren wollte. Ich hatte als Redakteur der Mitgliederzeitschrift mit der Gilde zu tun, hatte 1995 mit einem Kollegen eine Konferenz organisiert und 1996 schon einmal für den Vorstand kandidiert. Gildearbeit war mir nicht neu, aber als ich für den Vorsitz kandidierte war ich neu im Vorstand. Was hatte dich zur Kandidatur bewogen – und was waren die wichtigsten Entwicklungen während deiner Präsidentschaft? Ich denke, einer der Beweggründe dafür war die Tatsache, dass wir in den USA diesen Rechtsstreit hatten. Das war irgendwie kurios. In Chicago hatte Anat Baniel ihre Ankündigung gemacht, dass sie sozusagen ihr eigene Ausbildung machen wollte. Sie hat es in Chicago angekündigt? Sie wollte es auch in Chicago machen, aber sie hat es auf einem Workshop in Chicago angekündigt, auf dem ein paar Feldenkrais-LehrerInnen waren. Einer von ihnen rief mich an, und wir haben ein Regionaltreffen zum Thema organisiert. Ich machte mir ernsthaft Sorgen um die Zukunft. Ich empfand damals, dass wir noch sehr am Anfang stehen und in jedem Entwicklungsprozess bestimmen die Anfangsschritte sehr viel dessen, was später möglich wird; ich wollte nicht, dass diese Möglichkeiten begrenzt werden. Ich war ziemlich sicher, dass die Feldenkrais-Arbeit genau das war, was ich wollte; und ich wünschte mir, in einem Umfeld zu arbeiten, ich dem ich mich wohlfühle. Ich wollte das Umfeld, in dem wir sind, mit gestalten helfen. Warst du besorgt, dass die Standards sinken würden? Ich habe befürchtet, dass die Standards verschwinden würden. Ein Element der gerichtlichen Auseinandersetzung war, dass es nicht nur darum ging, Anat irgendwelche Konzessionen zu machen; sondern wenn sie Erfolg gehabt hätte, hätte das bedeutet, dass sich jeder Feldenkrais-Lehrer hätte nennen können oder Ausbildungen anbieten und behaupten, er oder sie bilde Feldenkrais-Lehrer aus. Damals wusste ich immerhin genug über die Methode, um zu sehen, dass sie leicht missverstanden oder missinterpretiert werden könnte und durch grobe Vereinfachungen viel verlieren würde. Als ich mich zur Kandidatur entschloss, war noch unklar, ob die Klage vor Gericht kommen würde. Ich glaube, ich wusste noch nicht mal das Ergebnis der Vorstandswahlen, als bekannt wurde, dass Anat die Klage schließlich doch eingereicht hatte. Ich wurde also Vorsitzender und hatte sofort mein erstes Thema. Und es wurde das beherrschende Thema für die nächsten Jahre… Ja, aber die Klage selbst wurde durch einen Vergleich 2000 beigelegt. Allerdings gab es dann die Nachwehen. Wir mussten nicht nur die Mitglieder informieren und die Wogen glätten, sondern wir mussten auch zahlen. Es war ein sehr teuerer Prozess. Wir haben viel Geld aufgebracht, aber selbst nach der letzten Rechnung, als wir schon ein paar hundert Tausend Dollar gezahlt hatten, waren noch 300 000 Dollar offen. Also war die Gilde einige Zeit auf strengem Sparkurs. Die meisten Mitarbeiter und Freiwilligen und der Vorstand waren danach sehr erschöpft. Wann war der Vergleich und was hat er für die Gilde bedeutet? Der Vergleich wurde im Oktober 2000 geschlossen. Ich hatte mein Amt im Dezember 1999 angetreten. Das ganze dauerte ungefähr ein Jahr, aber damals kam es uns ewig vor. Wie schon gesagt, wir waren knapp bei Kasse. Wir sprachen unsere Mitglieder an, die wir aber schon ziemlich heftig geschröpft hatten. Wir haben eine sehr aggressive Fundraising-Kampagne gemacht. Aber ich glaube, die wichtigste Entwicklung war, dass wir dadurch eine sehr viel professionellere Organisation geworden sind. Der Prozess war nicht der Grund dafür, aber er hat es forciert. 1996 oder 97 wurde Barbara Greenfield als erste Geschäftsführerin angestellt. Und als ich in den Vorsitz kam, waren wir noch sehr im Umbruch von einem Vorstand, der im Büro alles macht, zu einem Vorstand, der immer noch viel allgemeines Management betreibt. Was waren die Details des Vergleichs? Und waren euch die internationalen Folgen bewusst? Mal sehen, ob ich die Einzelheiten zusammen kriege... Es gab eine 12- oder 15-prozentige Verringerung des Unterrichts für Anat. Es erlaubte Anat, einen größeren Prozentsatz der Ausbildung selbst zu unterrichten, fast 80%. Es gab ihr die Möglichkeit, in größeren Ausbildungen ihre eigenen AssistentInnen zu benennen, die nicht TAB-akkreditierte AssistenztrainerInnen waren. Außerdem durfte sie ihre Ausbildung in zwei Teilen unterrichten, in einem wurden die Teilnehmer am Ende Lehrer/innen in der Anat-Baniel-Methode genannt, aber sie durften sich nicht Feldenkrais-LehrerInnen nennen. – Ich denke das Schwierigste war, dass wir, gleichgültig mit welchem Ergebnis wir aus dem Vergleich herauskämen, sobald wir uns für einen Vergleich entschieden hatten, wir außerhalb unseres üblichen Entscheidungsprozesses agieren mussten. Es gab keine Möglichkeit, die internationale Gemeinschaft irgendwie zu konsultieren. Wir konnten nicht einmal unsere Mitglieder befragen. Das musste verhandelt und unterschrieben werden. Der Vorstand musste denen, die die Verhandlungen führten, vertrauen. Wir waren damals äußerst besorgt darüber, welche internationalen Folgen es haben würde. Ich glaube, für mich kann ich sagen, dass das meine größte Sorge war. Wir wussten, dass es, egal was wir tun – außer es käme zu einem Prozess und wir kriegten eine klare Entscheidung zu unseren Gunsten – internationale Folgen haben würde. Ich denke, aus unserer Sicht haben wir den Schaden so gut es ging begrenzt. Im Rückblick hat es, denke ich, zwar eine gewisse strukturelle Spannung in das internationale System gebracht – aber doch nicht so viel, wie es hätte sein können. Beispielsweise haben die TrainerInnen im Großen und Ganzen nicht dieselben Bedingungen gefordert, wie Anat sie zugestanden bekommen hat. Du bist jetzt einer der Initiatoren und Mitglied einer neuen internationalen Gruppe, die die Ausbildung diskutiert. Hat die Erfahrung des Prozesses dir noch bewusster gemacht, wie dringlich die Ausbildungsrichtlinien reformiert werden müssen und dich motiviert, das ganze Thema noch einmal auf einer anderen Ebene anzugehen? War dies eine Initiative der TABs? Na ja, nicht so ganz, es ist eine Initiative der Mutterorganisationen der TABs. In Europa habt ihr den EuroTAB-Council, in Nordamerika ist es der Vorstand der FGNA und in Australien ist es der Australian National Council. Das sind die Gremien, die die Aufsicht über die TABs haben und letztendlich die Verantwortung für die Anerkennung der Ausbildungsrichtlinien. Mit den sich verändernden Bedingungen hat der nordamerikanische Vorstand begonnen, sich näher mit den Grundsätzen der Ausbildung zu beschäftigen und an die Zukunft zu denken. Ich glaube, anfänglich war es weniger das Gefühl, als hätten wir jetzt im Moment eine Krise, sondern eher, dass es eben kein System ist, das in der Zukunft weiter funktionieren könnte. Man musste sich damit befassen. Aber die TABs waren insofern Teil dieser Initiative, als sie um eine Klärung baten zwischen Richtlinien und Ausführung und was das für die Durchsetzung der Ausbildungsrichtlinien bedeutet. Warum ist die Internationalität unserer Standards überhaupt wichtig? Ich will mal Teufels Advokat spielen: Die deutsche Gilde hat, wie du weißt, die Zukunftswerkstatt initiiert, indem sie alle Ausbildungsbeteiligten (in Deutschland) zu einem Dialog über die Zukunft der Feldenkraisausbildung eingeladen hat. Warum sollten wir gleichzeitig an einer internationalen Gruppe teilnehmen, die über die Ausbildung nachdenkt? All diese Gesprächprozesse und Treffen und Diskussionspapiere bedeuten schließlich nicht nur sehr viel unbezahlte Arbeit für viele gute Leute, sondern sind auch für unsere Gilden sehr teuer... Was ich immer sehr geschätzt habe ist die Tatsache, dass jeder und jede, die ein tab-akkreditiertes Training absolviert haben, überall in der Welt als Feldenkrais-LehrerIn akzeptiert werden. Noch wichtiger ist aber der Aspekt, dass die Arbeit durch eine internationale Kultur und die Gemeinsamkeit unserer Ausbildung gestärkt wird. Sie wird auch gestärkt durch Vielfältigkeit, aber die internationale Ausbildung erlaubt auch eine ständige gegenseitige Befruchtung. Es geht nicht darum, dass bestimmte, sehr eigene Varianten in der Praxis oder im Denken über die Methode sich nicht entwickeln sollen, sondern dass sie nicht von einer bestimmten Perspektive, die irgendwo entsteht, dominiert wird – und wenn es nur ist, ob sie als medizinisches oder pädagogisches Modell gesehen wird. Es geht darum, dass es ein ständiges Geben und Nehmen ist, ein Nachdenken aus der Perspektive anderer, die vielleicht unter anderen Bedingungen arbeiten... Ich glaube wirklich, dass unsere Arbeit, dass die Feldenkrais-Methode in der Kultur existiert, die wir als gesamte Gemeinschaft von LehrerInnen kreieren. Man kann diese Vielfältigkeit nicht direkt regulieren, aber man kann Strukturen bauen, die diese Vielfältigkeit fördern. Geht es dabei auch um das Argument, dass eine weltweite Öffentlichkeit ein sicheres Wissen davon bekommt, was die Feldenkrais-Methode ist, weil die wichtigsten Organisationen innerhalb und außerhalb der Feldenkrais-Welt wissen, was als Feldenkrais-Methode anerkannt und definiert ist? Gut, lass uns zur Internationalen Arbeitsgruppe für die Ausbildungsrichtlinien zurückkehren. Wie ist sie entstanden und wofür ist sie da? Also, zuerst gab es eine Initiative einiger nordamerikanischer TrainerInnen und TrainingsassistentInnen (Natrasst), Vorschläge zur Veränderung des Prozesses, durch den man TrainerIn oder TrainingsassistentIn wird. Das war, nachdem die Deutschen mit der Zukunftswerkstatt angefangen hatten? Sie vielleicht die Führung übernehmen zu lassen? Und wer sind jetzt die Mitglieder der Internationalen Arbeitsgruppe (IWG)? Ich möchte gern zu meiner letzten Frage kommen, und das führt uns gewissermaßen an den Anfang zurück. Wenn ich mir all die Arbeiten und Gremien anschaue, bei denen du mitmachst, dann sehe ich eine große Hingabe an die Methode und an das Nachdenken über die Methode. Ich würde gern wissen, was du persönlich davon hast, du als Feldenkrais-Lehrer aber auch du persönlich, als George. Ich habe mich entschieden, Feldenkrais-Lehrer zu werden, weil ich die Feldenkrais-Methode grenzenlos faszinierend fand und immer noch finde. Sie ist ein wunderbarer Ort, von dem aus man den Menschen aus der Perspektive der Naturwissenschaft, der Kunst und Philosophie erkunden kann. Und außerdem finde ich, dass unsere Arbeit gegenwärtig ungeheuer nützlich ist. Persönlich empfinde ich die Qualität der Menschen, die von dieser Arbeit angezogen werden, als höchst beeindruckend – und ich glaube, dass das eine Spiegelung unserer Arbeit ist. Ich habe durch die Arbeit im Vorstand und in der Gilde viele Freunde gewonnen, mit denen es faszinierend und interessant ist zu arbeiten. Und es ist auch das Gefühl, an etwas wirklich Kreativem mitzuarbeiten, was für alle eine große Motivation ist, für alle Feldenkrais-LehrerInnen, alle Denker – etwas Neues in die Welt zu setzen, das vorher nicht da war, etwas, das Bedeutung hat und nützlich ist. Das ist für mich wahrscheinlich das Entscheidende. Außerdem ist es auch eine Chance für mich zu wachsen. In der Gilde zu arbeiten war, würde ich sagen, mein erster Versuch, wirklich mit einem Team auf strukturierte Weise zu arbeiten. Ich glaube, es hat mir auch geholfen, mich als Feldenkrais-Lehrer zu entwickeln. Hat es die Art und Weise verändert oder beeinflusst, wie du praktizierst? Cut. (Beide müssen lachen, da sie gerade einen Workshop für die IFF-Akademie über die Frage des Berufsfeldes von Feldenkrais-Lehrern vorbereiten.) |
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