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IFF Academy for Feldenkrais Practitioners

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George Krutz (Deutsch)

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Das Gefühl, an etwas wirklich Kreativem mitzuarbeiten
Gespräch mit George Krutz aus Chicago in Berlin im März 2005
von Uta Ruge

George, bis vor einigen Monaten warst du Präsident der FGNA (Vorsitzender der nordamerikanischen Feldenkraisgilde). Und jetzt bist du als Delegierter zur  Vollversammlung der IFF (Internationale Feldenkrais Föderation) in Berlin. Wie hat das alles bei dir angefangen?

Es gibt viele Momente, die mich zur Feldenkrais-Methode gebracht haben. Zum einen haben mich Verletzungen an der Halswirbelsäule und am Rücken bei meiner Arbeit als Designer und ‚Holzarbeiter’ eingeschränkt, die ich vor der Feldenkrais-Arbeit gemacht habe. Gleichzeitig lernte ich damals seit ungefähr sechs oder sieben Jahren Aikido. Viele Veränderungen, die ich dadurch erlebte und bei anderen währenddessen beobachten konnte, haben mich interessiert. Dieses Interesse wurde noch verstärkt als unser Aikido-Club begann, mit Kindern zwischen sechs und dreizehn Jahren zu arbeiten. Es waren meist ganz normale Kinder, aber einige hatten besondere Schwierigkeiten. Ein Mädchen, an das ich mich erinnere, hatte Zerebrale Palsie und ein Junge litt am Fötalem Alkohol Syndrom, andere Kinder waren einfach irgendwie Problemkinder, und es war schwer, mit ihnen zu arbeiten. Es kam unglaublich schnell zu sichtbaren Veränderungen, man konnte geradezu dabeistehen und zusehen, wie sie lernten. Außerdem hatte ich, lange bevor ich Feldenkrais kennen lernte, immer schon ein großes Interesse an Naturwissenschaften, Philosophie und besonders Hirnforschung.
Mein Aikido-Lehrer hörte von Feldenkrais und lieh mir seine Kassetten, mit denen ich mich dann beschäftigt habe; sobald ich die Gelegenheit dazu hatte, studierte ich mit Gaby Yaron. Am Ende ihres Dreitageworkshops fühlte ich mich wie umgekrempelt. Danach habe ich mit der Ausbildung angefangen.

Also war für dich durch Aikido diese Kombination mentaler und physischer Veränderungen in dir selbst und bei anderen durch Feldenkrais nichts Neues. Aber wie war das mit dem Lernen und Unterrichten?

Die Arbeit mit dem Lernprozess war entscheidend. Natürlich ist das jetzt ein Rückblick. Aber ich glaube, wir tun meistens nur das, worin wir gut sind, bei dem es uns gut geht. Zu Anfang war ich furchtbar schlecht in Aikido, aber ich hatte den richtigen Lehrer zur rechten Zeit. Mein Aikido-Lehrer war der Meinung, dass jeder im Club unterrichten sollte. Dadurch hat man ständig die neuen Leute in der Klasse unterrichtet; man lernte selbst etwas Neues und musste es irgendwie in den Unterricht integrieren. 

Wie war es, als du dann tatsächlich angefangen hast, die Feldenkrais-Methode zu praktizieren?
 
Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres habe ich schon regelmäßig unterrichtet. Anfangs war es frustrierend, aber das ist es ja bei allen. Ich hatte vier, fünf, sechs Schüler im Kurs... Am Ende der Ausbildung war ich viel gelassener im Unterrichten von Funktionaler Integration. Das hat gedauert. In meinem Beruf fasste ich ja keine Menschen an, sondern Werkzeuge. Ich arbeitete zwar mit den Händen, aber das Berühren auf diese Art war neu für mich. Damals hatte ich das Glück, für eine Firma zu arbeiten, die Konzertharfen baut; der Besitzer war ein Freund von mir, und da er die Arbeit, die ich für ihn machte, wirklich schätzte, hat er mich sehr unterstützt und war sehr flexibel. Als ich nach der Zertifizierung mit der Feldenkrais-Arbeit anfing, habe ich mir zwei Tage in der Woche genommen, um quasi meine Praxis aufzubauen, und dann schließlich drei und dann vier Tage praktiziert.

Wie viele Jahre hat es gedauert, bis du nur noch einen Tag in der Woche im alten Job gearbeitet hast?

Ich würde sagen, dass ich innerhalb von zwei Jahren drei oder vier Tage regulär voll hatte, und auch jetzt belasse ich es bei vier Praxistagen und mache in der restlichen Zeit Gildearbeit oder meine Buchhaltung – oder nehme mir ein paar freie Tage für mich.

Wie viele Feldenkrais-LehrerInnen gibt es jetzt in Chicago? Du selbst warst 1994 fertig.
 
Es gab vielleicht vier ausgebildete Feldenkrais-LehrerInnen in Chicago, als ich fertig wurde. Dann waren es etwa zwanzig. Inzwischen sind wir wahrscheinlich fünfzig oder sechzig.

Für dieses Wachstum hast du auch selbst gesorgt, in dem du später Ausbildungen dort organisiert hast.

Ich wollte mit Gaby Yaron weiter arbeiten, die ein zweite Ausbildung in Chicago machen sollte. Ich hatte mich bei der Organisatorin dieser Ausbildung gemeldet und wollte gern im Team vor Ort mitarbeiten. Aber dann starb Gaby leider, bevor die Ausbildung anfing. Jeff Haller wurde Pädagogischer Direktor und so kam es, dass ich in dieser Ausbildung mit Jeff täglich dabei war. Etwa 1999 haben Julie Casson-Ruben und Paul Ruben mich dann eingeladen, ihre Ausbildung, die sie in Chicago vorhatten, mit zu organisieren. Das habe ich gemacht und konnte in der Ausbildung zusätzlich zur Koordinationsarbeit vor allem als erfahrener Feldenkrais-Lehrer arbeiten...

Du bist also zu den Leuten in der Feldenkraisgemeinschaft gestoßen, die irgendwie weiter involviert sind mit der Ausbildung – und mit der Gilde...

Ja, man hat mich eingeladen, weiter Ausbildungen zu organisieren. 1999 waren wir mitten drin, als mich ein paar Leute ansprachen, ob ich nicht als Vorsitzender des Gildevorstands kandidieren wollte. Ich hatte als Redakteur der Mitgliederzeitschrift mit der Gilde zu tun, hatte 1995 mit einem Kollegen eine Konferenz organisiert und 1996 schon einmal für den Vorstand kandidiert. Gildearbeit war mir nicht neu, aber als ich für den Vorsitz kandidierte war ich neu im Vorstand.

Was hatte dich zur Kandidatur bewogen – und was waren die wichtigsten Entwicklungen während deiner Präsidentschaft?

Ich denke, einer der Beweggründe dafür war die Tatsache, dass wir in den USA diesen Rechtsstreit hatten. Das war irgendwie kurios. In Chicago hatte Anat Baniel ihre Ankündigung gemacht, dass sie sozusagen ihr eigene Ausbildung machen wollte.

Sie hat es in Chicago angekündigt?

Sie wollte es auch in Chicago machen, aber sie hat es auf einem Workshop in Chicago angekündigt, auf dem ein paar Feldenkrais-LehrerInnen waren. Einer von ihnen rief mich an, und wir haben ein Regionaltreffen zum Thema organisiert. Ich machte mir ernsthaft Sorgen um die Zukunft. Ich empfand damals, dass wir noch sehr am Anfang stehen und in jedem Entwicklungsprozess bestimmen die Anfangsschritte sehr viel dessen, was später möglich wird; ich wollte nicht, dass diese Möglichkeiten begrenzt werden. Ich war ziemlich sicher, dass die Feldenkrais-Arbeit genau das war, was ich wollte; und ich wünschte mir, in einem Umfeld zu arbeiten, ich dem ich mich wohlfühle. Ich wollte das Umfeld, in dem wir sind, mit gestalten helfen.    

Warst du besorgt, dass die Standards sinken würden?

Ich habe befürchtet, dass die Standards verschwinden würden. Ein Element der gerichtlichen Auseinandersetzung war, dass es nicht nur darum ging, Anat irgendwelche Konzessionen zu machen; sondern wenn sie Erfolg gehabt hätte, hätte das bedeutet, dass sich jeder Feldenkrais-Lehrer hätte nennen können oder Ausbildungen anbieten und behaupten, er oder sie bilde Feldenkrais-Lehrer aus. Damals wusste ich immerhin genug über die Methode, um zu sehen, dass sie leicht missverstanden oder missinterpretiert werden könnte und durch grobe Vereinfachungen viel verlieren würde. Als ich mich zur Kandidatur entschloss, war noch unklar, ob die Klage vor Gericht kommen würde. Ich glaube, ich wusste noch nicht mal das Ergebnis der Vorstandswahlen, als bekannt wurde, dass Anat die Klage schließlich doch eingereicht hatte. Ich wurde also Vorsitzender und hatte sofort mein erstes Thema.

Und es wurde das beherrschende Thema für die nächsten Jahre…

Ja, aber die Klage selbst wurde durch einen Vergleich 2000 beigelegt. Allerdings gab es dann die Nachwehen. Wir mussten nicht nur die Mitglieder informieren und die Wogen glätten, sondern wir mussten auch zahlen. Es war ein sehr teuerer Prozess. Wir haben viel Geld aufgebracht, aber selbst nach der letzten Rechnung, als wir schon ein paar hundert Tausend Dollar gezahlt hatten, waren noch 300 000 Dollar offen. Also war die Gilde einige Zeit auf strengem Sparkurs. Die meisten Mitarbeiter und Freiwilligen und der Vorstand waren danach sehr erschöpft.

Wann war der Vergleich und was hat er für die Gilde bedeutet?

Der Vergleich wurde im Oktober 2000 geschlossen. Ich hatte mein Amt im Dezember 1999 angetreten. Das ganze dauerte ungefähr ein Jahr, aber damals kam es uns ewig vor. Wie schon gesagt, wir waren knapp bei Kasse. Wir sprachen unsere Mitglieder an, die wir aber schon ziemlich heftig geschröpft hatten. Wir haben eine sehr aggressive Fundraising-Kampagne gemacht. Aber ich glaube, die wichtigste Entwicklung war, dass wir dadurch eine sehr viel professionellere Organisation geworden sind. Der Prozess war nicht der Grund dafür, aber er hat es forciert. 1996 oder 97 wurde Barbara Greenfield als erste Geschäftsführerin angestellt. Und als ich in den Vorsitz kam, waren wir noch sehr im Umbruch von einem Vorstand, der im Büro alles macht, zu einem Vorstand, der immer noch viel allgemeines Management betreibt.

Was waren die Details des Vergleichs? Und waren euch die internationalen Folgen bewusst?

Mal sehen, ob ich die Einzelheiten zusammen kriege... Es gab eine 12- oder 15-prozentige Verringerung des Unterrichts für Anat. Es erlaubte Anat, einen größeren Prozentsatz der Ausbildung selbst zu unterrichten, fast 80%. Es gab ihr die Möglichkeit, in größeren Ausbildungen ihre eigenen AssistentInnen zu benennen, die nicht TAB-akkreditierte AssistenztrainerInnen waren. Außerdem durfte sie ihre Ausbildung in zwei Teilen unterrichten, in einem wurden die Teilnehmer am Ende Lehrer/innen in der Anat-Baniel-Methode genannt, aber sie durften sich nicht Feldenkrais-LehrerInnen nennen. – Ich denke das Schwierigste war, dass wir, gleichgültig mit welchem Ergebnis wir aus dem Vergleich herauskämen, sobald wir uns für einen Vergleich entschieden hatten, wir außerhalb unseres üblichen Entscheidungsprozesses agieren mussten. Es gab keine Möglichkeit, die internationale Gemeinschaft irgendwie zu konsultieren. Wir konnten nicht einmal unsere Mitglieder befragen. Das musste verhandelt und unterschrieben werden. Der Vorstand musste denen, die die Verhandlungen führten, vertrauen. Wir waren damals äußerst besorgt darüber, welche internationalen Folgen es haben würde. Ich glaube, für mich kann ich sagen, dass das meine größte Sorge war. Wir wussten, dass es, egal was wir tun – außer es käme zu einem Prozess und wir kriegten eine klare Entscheidung zu unseren Gunsten – internationale Folgen haben würde.
 
Im Rückblick gab es ja auch eine ziemliche Aufregung. Ich war zu der Zeit im Vorstand der deutschen Gilde und als wir von dem Vergleich hörten, waren wir doch ziemlich erschüttert. Denn irgendwie haben wir die FGNA oder NATAB oder ‚die Amerikaner’, wie wir in Europa (all zu) oft sagen, als unerschütterbare Wächter der internationalen Richtlinien angesehen. In Europa hatten wir schon seit geraumer Zeit Probleme mit den AbsolventInnen von Mia Segal- und Yochanan Rywerant-Ausbildungen, eben weil wir diese Regeln einhalten wollten. Aber im Laufe der Jahre hatten einige der europäischen Gilden sie als Vollmitglieder anerkannt. Die deutsche Gilde hat sich immer an die internationalen Regeln der Mitgliedskriterien gehalten und geriet mehr und mehr in Widerspruch zu ihren europäischen Schwesterorganisationen wie die österreichische und britische Gilde. Als wir im Vorstand von dem Vergleich hörten, hatten wir das Gefühl, plötzlich ohne diesen Schirm, den wir bis dahin immer mit aufgespannt gehalten hatten, dazustehen, dass man uns sozusagen im Regen stehen ließ.

Ich denke, aus unserer Sicht haben wir den Schaden so gut es ging begrenzt. Im Rückblick hat es, denke ich, zwar eine gewisse strukturelle Spannung in das internationale System gebracht – aber doch nicht so viel, wie es hätte sein können. Beispielsweise haben die TrainerInnen im Großen und Ganzen nicht dieselben Bedingungen gefordert, wie Anat sie zugestanden bekommen hat.

Du bist jetzt einer der Initiatoren und Mitglied einer neuen internationalen Gruppe, die die Ausbildung diskutiert. Hat die Erfahrung des Prozesses dir noch bewusster gemacht, wie dringlich die Ausbildungsrichtlinien reformiert werden müssen und dich motiviert, das ganze Thema noch einmal auf einer anderen Ebene anzugehen?

Um ehrlich zu sein, nein. Das war meiner Ansicht nach überhaupt nicht der Anlass. Der Anlass für die Überprüfung unserer Ausbildungspolitik kam mehr durch einen Blick auf das Gesamte des Akkreditierungsrichtlinien und wie wir das pädagogische Personal zertifizieren. Diese Arbeitsgruppe ergab sich mehr aus dem Druck einer sich wandelnden Gemeinschaft: mehr erfahrene Feldenkrais-LehrerInnen, kleinere Ausbildungen, in denen AssistentInnen weniger Arbeitschancen haben; kleinere Ausbildungen für die TrainerInnen. Es ist ganz einfach ein Versuch, die Standards zu verbessern und es zu einem gerechteren System zu machen.

War dies eine Initiative der TABs?

Na ja, nicht so ganz, es ist eine Initiative der Mutterorganisationen der TABs. In Europa habt ihr den EuroTAB-Council, in Nordamerika ist es der Vorstand der FGNA und in Australien ist es der Australian National Council. Das sind die Gremien, die die Aufsicht über die TABs haben und letztendlich die Verantwortung für die Anerkennung der Ausbildungsrichtlinien. Mit den sich verändernden Bedingungen hat der nordamerikanische Vorstand begonnen, sich näher mit den Grundsätzen der Ausbildung zu beschäftigen und an die Zukunft zu denken. Ich glaube, anfänglich war es weniger das Gefühl, als hätten wir jetzt im Moment eine Krise, sondern eher, dass es eben kein System ist, das in der Zukunft weiter funktionieren könnte. Man musste sich damit befassen. Aber die TABs waren insofern Teil dieser Initiative, als sie um eine Klärung baten zwischen Richtlinien und Ausführung und was das für die Durchsetzung der Ausbildungsrichtlinien bedeutet.

Warum ist die Internationalität unserer Standards überhaupt wichtig? Ich will mal Teufels Advokat spielen: Die deutsche Gilde hat, wie du weißt, die Zukunftswerkstatt initiiert, indem sie alle Ausbildungsbeteiligten (in Deutschland) zu einem Dialog über die Zukunft der Feldenkraisausbildung eingeladen hat. Warum sollten wir gleichzeitig an einer internationalen Gruppe teilnehmen, die über die Ausbildung nachdenkt? All diese Gesprächprozesse und Treffen und Diskussionspapiere bedeuten schließlich nicht nur sehr viel unbezahlte Arbeit für viele gute Leute, sondern sind auch für unsere Gilden sehr teuer...

Was ich immer sehr geschätzt habe ist die Tatsache, dass jeder und jede, die ein tab-akkreditiertes Training absolviert haben, überall in der Welt als Feldenkrais-LehrerIn akzeptiert werden. Noch wichtiger ist aber der Aspekt, dass die Arbeit durch eine internationale Kultur und die Gemeinsamkeit unserer Ausbildung gestärkt wird. Sie wird auch gestärkt durch Vielfältigkeit, aber die internationale Ausbildung erlaubt auch eine ständige gegenseitige Befruchtung. Es geht nicht darum, dass bestimmte, sehr eigene Varianten in der Praxis oder im Denken über die Methode sich nicht entwickeln sollen, sondern dass sie nicht von einer bestimmten Perspektive, die irgendwo entsteht, dominiert wird – und wenn es nur ist, ob sie als medizinisches oder pädagogisches Modell gesehen wird. Es geht darum, dass es ein ständiges Geben und Nehmen ist, ein Nachdenken aus der Perspektive anderer, die vielleicht unter anderen Bedingungen arbeiten... Ich glaube wirklich, dass unsere Arbeit, dass die Feldenkrais-Methode in der Kultur existiert, die wir als gesamte Gemeinschaft von LehrerInnen kreieren. Man kann diese Vielfältigkeit nicht direkt regulieren, aber man kann Strukturen bauen, die diese Vielfältigkeit fördern.

Geht es dabei auch um das Argument, dass eine weltweite Öffentlichkeit ein sicheres Wissen davon bekommt, was die Feldenkrais-Methode ist, weil die wichtigsten Organisationen innerhalb und außerhalb der Feldenkrais-Welt wissen, was als Feldenkrais-Methode anerkannt und definiert ist?

Ja, ich denke, es ist ungeheuer wichtig, eine Art Identität zu haben, wenn wir von unserer Arbeit sprechen, sowohl für uns selbst als auch für die Öffentlichkeit. Ich glaube nicht, dass wir weltweit zahlreich genug sind, als dass das Statement von irgendjemandem diese Kultur sein kann, oder dass man dafür in seiner eigenen Kultur bleiben kann. Der entscheidende Ausweis für einen Beruf ist die gegenseitige Identifikation, dass du mich als Feldenkrais-Lehrer anerkennst und ich dich. Man ist beispielsweise kein Naturwissenschaftler, solange andere Naturwissenschaftler einen nicht als Naturwissenschaftler anerkennen. Wenn man zurückgeht zu Galileo oder Newton...  Da gab es Briefwechsel, die sich über ganz Europa erstreckten. Aber es gab noch keinen Namen für das, was sie damals machten. „Naturphilosophie“ war die Bezeichnung, die sie damals gebrauchten. Allmählich wollten immer mehr Leute dieser Gruppierung angehören, – englische Naturwissenschaftler wurden in die Französische Akademie zugelassen, holländische Naturwissenschaftler kamen in die Royal Society –bis sie untereinander anerkannten, dass sie bestimmte Interessen und Werte gemeinsam hatten. Und das ist ein ständiger Prozess. Er hat Vor- und Nachteile. Aber es liegt darin eine Art Selbstregulation bzw. um Selbstdefinition. Und ich glaube, dass wir die Methode verlieren, wenn wir uns zu sehr nach äußeren Forderungen ausrichten. Feldenkrais hat mit Individuen gearbeitet, aber der Kern dessen, womit er gearbeitet hat, ist Selbstdefinition, Selbststeuerung...

Gut, lass uns zur Internationalen Arbeitsgruppe für die Ausbildungsrichtlinien zurückkehren. Wie ist sie entstanden und wofür ist sie da?

Also, zuerst gab es eine Initiative einiger nordamerikanischer TrainerInnen und TrainingsassistentInnen (Natrasst), Vorschläge zur Veränderung des Prozesses, durch den man TrainerIn oder TrainingsassistentIn wird.

Das war, nachdem die Deutschen mit der Zukunftswerkstatt angefangen hatten?

Ja, sie war unter anderem ein Anlass. Das war auf der FGNA-Konferenz 2003. Eindeutig waren es die Vorschläge selbst, die sehr viel mehr Diskussion innerhalb der Gemeinschaft brauchten, mehr Entwicklung. Und auf der letzten IFF-Versammlung in Soesterberg haben wir angefangen uns zu treffen – das waren eigentlich die ersten Zusammenkünfte der Mutterorganisationen der TABs anwesend. Es waren Repräsentanten aller Mutterorganisationen bei diesen Treffen. Das war noch kein offizielles Treffen und wir haben zunächst nur beschlossen, dass es mehr Kommunikation zwischen den Mutterorganisationen geben muss. Die meisten Initiativen für Ausbildungsrichtlinien kamen von den TABs zu den Mutterorganisationen, und die waren dann in der Position, diese entweder abzusegnen oder nicht. Die grundsätzliche Idee war, die Mutterorganisationen früher in den Prozess einzubeziehen.

Sie vielleicht die Führung übernehmen zu lassen?

Ich würde nicht einmal von ‘Führung’ sprechen. Denn es gibt einen großen Erfahrungsreichtum in den TABs, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hat. Wir hatten aber das Gefühl, dass wir, wenn wir früher am Prozess beteiligt wären, es leichter wäre, klare Verbesserungen in den Änderungen der Richtlinien zu erzielen. Es hätte viel einfacher gehen können, wenn es ein bisschen mehr Einfluss und ein bisschen mehr Übersicht zu Beginn des Prozesses gegeben hätte, als die „Veränderung der Grundlagen zur Veränderungen der Grundlagen“ abgestimmt werden sollten. Bei diesem Treffen der Mutterorganisationen wurde die Notwendigkeit einer Gesamtüberprüfung der internationalen Ausbildungsrichtlinien dann ziemlich deutlich. Wie Feldenkrais-LehrerInnen ausgebildet werden ist ganz klar ein wesentlicher Faktor für die Zukunft der Arbeit und auch für die Kultur, die dabei herauskommt. Deshalb haben die Mutterorganisation die Notwendigkeit einer Internationalen Arbeitsgruppe diskutiert und beschlossen, dass zu Anfang eine einigermaßen kleine Gruppe die gegenwärtige Situation prüfen und Empfehlungen aussprechen sollte. Alle drei Mutterorganisationen haben dem zugestimmt, der EuroTAB-Council, FGNA und die Australische Gilde.

Und wer sind jetzt die Mitglieder der Internationalen Arbeitsgruppe (IWG)?

Alle drei Organisationen haben Empfehlungen gemacht. Sie ist jetzt besetzt mit Ivan Yoly aus den USA, Sabina Graf-Pointner aus Deutschland, Naomi Doron aus Israel, die eine besondere Empfehlung vom EuroTAB-Council war, Chris Lambert aus Australien und mir. Wir sind immer noch sehr im Stadium der Selbstorganisation und dabei, unseren Arbeitsprozess zu strukturieren, zu überlegen, wie wir vorgehen und zu Entscheidung kommen können.

Ich möchte gern zu meiner letzten Frage kommen, und das führt uns gewissermaßen an den Anfang zurück. Wenn ich mir all die Arbeiten und Gremien anschaue, bei denen du mitmachst, dann sehe ich eine große Hingabe an die Methode und an das Nachdenken über die Methode. Ich würde gern wissen, was du persönlich davon hast, du als Feldenkrais-Lehrer aber auch du persönlich, als George.

Ich habe mich entschieden, Feldenkrais-Lehrer zu werden, weil ich die Feldenkrais-Methode grenzenlos faszinierend fand und immer noch finde. Sie ist ein wunderbarer Ort, von dem aus man den Menschen aus der Perspektive der Naturwissenschaft, der Kunst und Philosophie erkunden kann. Und außerdem finde ich, dass unsere Arbeit gegenwärtig ungeheuer nützlich ist. Persönlich empfinde ich die Qualität der Menschen, die von dieser Arbeit angezogen werden, als höchst beeindruckend – und ich glaube, dass das eine Spiegelung unserer Arbeit ist. Ich habe durch die Arbeit im Vorstand und in der Gilde viele Freunde gewonnen, mit denen es faszinierend und interessant ist zu arbeiten. Und es ist auch das Gefühl, an etwas wirklich Kreativem mitzuarbeiten, was für alle eine große Motivation ist, für alle Feldenkrais-LehrerInnen, alle Denker – etwas Neues in die Welt zu setzen, das vorher nicht da war, etwas, das Bedeutung hat und nützlich ist. Das ist für mich wahrscheinlich das Entscheidende. Außerdem ist es auch eine Chance für mich zu wachsen. In der Gilde zu arbeiten war, würde ich sagen, mein erster Versuch, wirklich mit einem Team auf strukturierte Weise zu arbeiten. Ich glaube, es hat mir auch geholfen, mich als Feldenkrais-Lehrer zu entwickeln.

Hat es die Art und Weise verändert oder beeinflusst, wie du praktizierst?

Ja. Ich weiß nicht, wie andere es machen, aber für mich war es immer so, dass ich das Gefühl hatte, dass meine Arbeit zu routiniert wird, wenn ich nicht mit Kollegen kommuniziere. Zum Teil löst man das Problem, indem man in Ausbildungen zu Gast ist oder zu Advanced Workshops geht, wo man diesen Kontakt hat und sich an Leuten reiben kann. Aber mir geht es auch um ein konzeptionelles Denken über die Arbeit, und ich bin gern mit anderen zusammen, die da mitmachen. Alle Menschen, die ich in der Gildearbeit und der internationalen Arbeit getroffen habe, denken sehr viel über die Feldenkrais-Arbeit nach, nicht nur über die Praxis sondern auch die Implikationen. Es hat mir geholfen, mehr über die Implikationen dessen, was ich tue, nachzudenken, und darüber, was für uns als – um das Wort zu gebrauchen – Beruf möglich ist.

Cut. (Beide müssen lachen, da sie gerade einen Workshop für die IFF-Akademie über die Frage des Berufsfeldes von Feldenkrais-Lehrern vorbereiten.)